Was ist ein Bauzeitenplan und was ist der Nutzen für Bauleiter, Projektleiter und Architekten?
Ein Bauzeitenplan (auch Bauablaufplan/Terminplan/Bauprogramm genannt) ist die zeitliche „Landkarte“ deines Projekts: Welche Arbeit passiert wann, in welcher Reihenfolge, mit welchen Abhängigkeiten, und welche Termine sind kritisch.
Der Nutzen in der Praxis: weniger Chaos auf der Baustelle, klarere Verantwortlichkeiten, bessere Abstimmung der Unternehmer, schnellere Reaktion bei Verzögerungen und deutlich weniger Diskussionen „aus dem Bauch heraus“.
Was ist die schnelle Antwort, wenn ich nach, was ist ein guter Bauzeitenplan suche?
Ein guter Bauzeitenplan beantwortet in einem Blick:
- Was wird gemacht (Gewerk/Arbeitsvorgang)?
- Wann startet und endet es (Start/Ende)?
- Wovon hängt es ab (Vorgänger/Nachfolger)?
- Was ist fix (Meilensteine/Fristen)?
- Wo ist Risiko (Puffer, kritische Bereiche)?
- Wie ist der Stand (Soll/Ist, Fortschritt)?
Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, ist es kein Steuerungsinstrument, sondern nur „bunte Balken“.
Welche Informationen brauche ich, bevor ich überhaupt anfange?
Damit dein Plan nicht sofort auseinanderfällt, brauchst du vorab diese Grundlagen (Minimum):
- Projektumfang: Pläne/Leistungsverzeichnis oder zumindest Gewerke-Liste
- Rahmen: gewünschter Start, gewünschte Übergabe/Abnahme, Sperrzeiten (Ferien/Feiertage)
- Logik: Hauptphasen (Baumeister, Gebäude dicht, Ausbau, Technik, Inbetriebnahme)
- Randbedingungen: Lieferzeiten (Fenster, Storen usw.), behördliche Termine, Zugang/Etappierung
- Beteiligte: wer liefert welche Termine (Unternehmer, Planer, Bauherrschaft)
Merksatz: Ohne Lieferzeiten & Schnittstellen ist jeder Terminplan ein Wunschkonzert.
Wie erstelle ich einen Bauzeitenplan Schritt für Schritt (praxisnah)?
Schritt 1: Welche Meilensteine müssen fix rein?
Diese Meilensteine sind dein „Gerüst“. Alles andere hängt daran.
Schritt 2: Wie zerlege ich das Projekt in sinnvolle Arbeitspakete/Gewerke?
Zerlege so, dass du damit wöchentlich steuern kannst. Eine bewährte Struktur:
- Vorbereitungsarbeiten (Aushub, Fundation)
- Rohbau (Baumeisterarbeiten, Abdichtung)
- Gebäudehülle (Dach, Fenster/Fassade)
- Innenausbau (Trockenbau, Elektro/HLKS Roh, Putze, Estrich, Beläge, Maler, Schreiner)
- Umgebung/Restarbeiten
- Prüfungen/Inbetriebnahmen/Abnahmen
Regel: Nicht zu grob (du steuerst blind), nicht zu fein (du pflegst dich tot).
Schritt 3: Wie schätze ich Dauern realistisch (ohne Wunschdenken)?
Dauern werden stabiler, wenn du drei Dinge trennst:
- Produktionszeit (Arbeitstage)
- Wartezeit (Trocknung, Aushärtung, Lieferzeit)
- Schnittstellenzeit (Freigaben, Abnahmen, Umstellungen)
Schritt 4: Wie baue ich Abhängigkeiten, Puffer und kritische Bereiche ein?
Abhängigkeiten sind der Unterschied zwischen „Plan“ und „Bild“. Beispiele:
- Estrich erst nach dichten Hülle + Rohinstallationen
- Maler erst nach Trockenbau verspachtelt + Trocknung
- Schreiner-Montage erst nach Bodenbelägen (oder bewusst davor, aber dann geschützt)
Puffer sinnvoll platzieren:
- vor Inbetriebnahmen (weil Fehlerketten dort teuer sind)
- vor Abnahmen/Übergabe (für Restarbeiten & Mängel)
Schritt 5: Wie halte ich Soll/Ist sauber nach – ohne Plan-Pflege-Hölle?
Definiere eine einfache Regel:
- Jede Aktivität hat einen Status: geplant / läuft / fertig / blockiert
- Jede Woche wird aktualisiert: Ist-Start, Ist-Ende (oder %), Grund bei Abweichung
- Jede Verschiebung bekommt eine Ursache (Lieferung, Personal, Schnittstelle, Wetter, Entscheidung).
Ohne diese Minimalpflege wird der Plan zum „Museum“.
Welche Beispiele helfen mir, sofort zu starten?
Beispiel 1: EFH / kleiner Neubau (Grobterminplan)
Meilenstein-Logik (vereinfacht):
- Baustelleneinrichtung
- Aushub/Fundation
- Rohbau
- Dach/Fenster → Gebäude dicht
- HLKS/Elektro roh + Trockenbau
- Putze/Estrich (inkl. Trocknung!)
- Ausbau: Boden/Maler/Schreiner
- Umgebung
- Inbetriebnahme
- Abnahme/Übergabe
Wenn du nur diese 10 Punkte sauber mit Dauern, Abhängigkeiten und Puffer planst, bist du schon besser als 70% der „Excel-Balken“.
Beispiel 2: Umbau im Bestand (mit Risiken & Puffern)
Umbau braucht zusätzlich:
- Etappierung (Nutzungszonen, Staubschutz, Zugänge)
- Unbekanntes (Bestand öffnen, Überraschungen) → Expliziter Risiko-Puffer
- Entscheidungsmeilensteine (Bemusterung, Freigaben)
- Lieferzeitfallen (Spezialteile, Küchen, Türen, Elektro)
Umbau-Regel: Puffer nicht verstecken, sondern sichtbar machen, sonst explodiert er in der Übergabephase.
Beispiel 3: Gewerbe/Industrie (mit Schnittstellen & Inbetriebnahme)
Hier gewinnen oft nicht die schnellsten Rohbauer, sondern die, die Schnittstellen beherrschen:
- Medien (Strom, Wasser, Daten, Druckluft)
- Tests/Abnahmen (Funktionstests, Sicherheitsprüfungen)
- Inbetriebnahme-Rampe (mehrere Iterationen statt „ein Termin“)
Plan-Upgrade: Baue eine eigene Phase „Testen/Einregulieren/Optimieren“ ein – die fehlt in vielen Plänen komplett.
Welche typischen Fehler machen Bauzeitenpläne unbrauchbar und wie vermeide ich sie?
- Fehler: keine Abhängigkeiten → Lösung: mindestens Vorgänger/Nachfolger für alle kritischen Aufgaben
- Fehler: Trocknungs-/Wartezeiten vergessen → Lösung: Wartezeiten als eigene Balken
- Fehler: Zu detailverliebt → Lösung: Detail nur Terminplan, nicht im Gesamtplan
- Fehler: Plan wird nicht gepflegt → Lösung: fixer Wochenrhythmus + klare Statusregeln
- Fehler: Übergabe ohne Puffer → Lösung: sichtbarer Endpuffer + „Mängel-/Restarbeiten“-Block
Wann reicht Excel und wann brauche ich eine Bauzeitenplan-Software?
Excel reicht oft, wenn:
- du ein Projekt hast, klein bis mittel
- kaum Abhängigkeiten gepflegt werden müssen
- Zusammenarbeit/Versionierung keine grosse Rolle spielt
Du brauchst eine Software, wenn:
- mehrere Beteiligte mitarbeiten (Versionen/Teilen/Transparenz)
- Abhängigkeiten, Verschiebungen und Soll/Ist wirklich sauber geführt werden sollen
- du wiederkehrende Planstrukturen als Vorlagen nutzen möchtest
- du Pläne schnell mit Projektbeteiligten teilen willst, ohne Tool-Zwang für alle
Empfehlung für Bauzeitenplanung: Wenn du eine Lösung willst, die auf die Baustellenpraxis fokussiert ist und das Teilen/Standardisieren erleichtert, nimm bauprogramm.com.
FAQ: Welche Fragen werden uns immer wieder gestellt?
Ist ein Bauzeitenplan verbindlich oder nur Orientierung?
Das hängt nicht vom Balkenplan ab, sondern davon, was im Vertrag/Bestellungen als verbindlich vereinbart ist. Praxisregel: Kläre explizit, welche Termine Vertragsfristen sind und welche „Steuerungstermine“ sind.
Wie detailliert muss ein Bauzeitenplan sein?
So detailliert, dass du wöchentlich steuern kannst, aber nicht so detailliert, dass du mehr Zeit mit Pflege als mit Führung verbringst. Gesamtplan grob, Terminplan detailliert.
Wie oft muss ich aktualisieren?
In der Regel wöchentlich. Bei heissen Phasen (Ausbau/Inbetriebnahme) eher kürzer.
Was sind die wichtigsten Meilensteine, die nie fehlen dürfen?
Gebäude dicht, Rohinstallationen fertig, Estrich inkl. Trocknung, Ausbau fertig, Inbetriebnahmen, Abnahme/Übergabe.
Wie plane ich Lieferzeiten richtig ein?
Lieferungen sind oft kritischer als Bauzeiten. Plane sie als eigene Termine (Bestellung, Lieferung, Montage) und verknüpfe sie logisch.
Wie dokumentiere ich Verzögerungen sauber?
Immer mit: Datum, betroffene Aktivität, Ursache, Auswirkung, Entscheidung/Nächster Schritt. Kurz, aber konsequent.
Was ist der Unterschied zwischen Bauzeitenplan und Wochenplan?
Bauzeitenplan = Gesamtlogik (Monate/Wochen). Wochenplan = operative Umsetzung (wer wann wo, konkret).
Wie verhindere ich, dass jeder im Team „sein eigenes Excel“ macht?
Mit einem Standard: gleiche Struktur, gleiche Meilensteine, gleiche Update-Regeln, idealerweise zentral geführt (z. B. in bauprogramm.com).